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30. Oktober 2015

Mobbing auf hohem Niveau

Sprachliche Äußerungen werden nicht einfach so verstanden, sondern der Hörer bzw. Leser versucht ihre Bedeutung im jeweiligen Kontext mit Hilfe seines Hintergrundwissens zu erschließen.
Dabei geht der Hörer davon aus, dass der Sprecher nichts Unwahres sagt, dass er etwas Informatives und Relevantes sagt, und sich so ausdrückt, dass der Hörer es verstehen kann (das sind die sogenannten Grice'schen Konversationsmaximen).
Das tatsächlich Gesagte bildet also nur einen Teil der Informationen, auf deren Grundlage der Hörer die sprachliche Äußerung zu verstehen versucht. 
Wenn beispielsweise der erste Offizier ins Logbuch einträgt:

19. Mai.
Der Kapitän ist nicht betrunken.

dann folgern wir: "Ins Logbuch werden besondere Vorkommnisse eingetragen. Anscheinend ist der Kapitän ein Säufer". Also das Gegenteil des Gesagten. Der Kapitän kann sich nicht mal über den ersten Offizier beschweren, denn der hat nichts Unwahres behauptet. Die Aussage "Der Kapitän ist ein Säufer" hat nicht der Offizier gemacht, sondern die hat der Leser geschlussfolgert.

Wenn Sie also mal wieder in einer langweiligen Besprechung das Protokoll anfertigen müssen, können Sie ja einige Beobachtungen über die Anwesenden eintragen, um sich die Zeit zu vertreiben...



4. Mai 2015

Partnerbörse beleidigt Akademiker!


Mit sprachlicher Logik kann man subtil beleidigen, indem man die Beleidigung nicht direkt ausspricht, sondern so, dass die Leserin sie als Schlußfolgerung selber zieht. Statt plump zu behaupten: "SUVs sind niveaulos" schreibt man: "Beim Autohaus Müller gibt es SUVs und Autos mit Niveau". Oder auch: "In dem Laden gibt es Apple-Rechner und richtige Computer".
Um Akademiker der Niveaulosigkeit zu bezichtigen, kann man sagen: "Die Partnervermittlung für Akademiker und Singles mit Niveau". (Obwohl hier auch die Schlußfolgerung möglich ist, dass die Akademiker, die dort nach Bekanntschaften suchen, keine Singles sind, sondern ihre Partner betrügen wollen.) Der obige Slogan kommt zur Zeit dauernd in der Reklame, ich habe aber noch nicht gehört, dass sich eine Professorin, ein Doktor oder Magister darüber beschwert hätte. Anscheinend gibt es hierzulande Akademiker und Leute mit Logikkenntnissen.