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2. Mai 2017

We're all living in America


Moden kommen und gehen mit den Jahreszeiten, gestern waren Containerhosen in, jetzt Jeansstrumpfhosen, oder sind sie schon wieder out? Manche Dinge aber bleiben vom Lauf der Zeit unberührt, wie zum Beispiel die unglaubliche Coolness der englischen Sprache, die seit dem zweiten Weltkrieg immer nur zugenommen hat. Allen Unkenrufen zum Trotz kommt die Werbung ohne Englisch nicht aus - selbst wenn nachgewiesen wurde, dass die Mehrheit der Deutschen die englischen Werbesprüche weder versteht noch sich merken kann. Will man ein Produkt als jung, neu, dynamisch, hip und sexy hinstellen - einfach was Englisches dazu quatschen in der Hoffnung, dass von der Coolness des Englischen was aufs Produkt abfärbt. Was im Einzelnen gesagt wird, spielt überhaupt keine Rolle; wichtig ist nicht was gesagt wird, sondern dass es auf Englisch gesagt wird. In der Tat sind die meisten Werbesprüche völlig belanglos und austauschbar: "Shine brighter", "Technology to enjoy", "Impress yourself". Versuchen Sie doch mal diese drei gerade aktuellen Sprüche den richtigen Produkten zuzuordnen!
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind die englischen Sprachfetzen auf Kleidungsstücken: vollkommen sinnloses Gestammel, aber supercool, weil englisches Gestammel. Sonst würden es die H&Ms und C&As ja nicht auf ihre T-Shirts drucken und die Leute nicht anziehen. In diesem Sinne: revert back welcome dome unique form! Ahh, ich bin so cool!

27. Februar 2017

Looser oder Loser?

Die korrekte Schreibung von Looser (Verlierer) im Deutschen verursacht einigen Zwist. Obwohl viele sich für den Loser aussprechen (und im Englischen zweifellos nur "loser" richtig ist), finde ich "Looser" stimmiger. Und zwar aus folgenden Gründen.

Erstens ist die englische Rechtschreibung notorisch unregelmäßig. Der Laut /u:/ (langes uh) wird entweder durch "u" (z.B. in rule, June) oder durch "oo" wiedergegeben (z.B. in goose, pool), in seltenen Fällen aber auch durch ein einzelnes "o". Wenn es eine Sprache gibt, der eine Rechtschreibreform gut täte, dann das Englische. Mit einer regelhafteren Laut-Buchstaben-Zuordnung würde loser als looser geschrieben werden, und nicht wie poser.

Zweitens handelt es sich bei Looser um ein Wort im deutschen Sprachsystem. Entlehnt wurde es aus dem Englischen, aber das heißt nicht, dass die englische Schreibung übernommen werden muss. In anderen Sprachen ist es selbstverständlich, dass Lehnwörter in das jeweilige Schreibsystem eingepasst werden (siehe das tschechische Beispiel byznyz). Und in Sprachen mit einem anderen Schriftsystem ist das auch gar nicht anders möglich. Oder wollen Sie einem Chinesen vorwerfen, "哈尼" sei falsch geschrieben (哈尼 ist aus dem Englischen entlehnt und bedeutet Honig (honey), ausgesprochen hāní)?

Darüberhinaus wird Looser auch von den Loser-Fans nicht wie im Englischen geschrieben - nämlich groß statt klein. Allein dieser Umstand zeigt, wie lächerlich das Argument ist: "Man muss das Wort schreiben wie im Englischen."

Kurzum: Im Englischen ist "loser" korrekt, ins Deutsche passt "Looser" besser als "Loser".

4. November 2015

Deutschen Akzent im Englischen vermeiden

Lied wird am Ende mit t ausgesprochen [liːt], genau wie Hut [huːt] (in eckigen Klammern ist die Aussprache in Lautschrift angegeben). Warum wird Lied aber dann mit d geschrieben und nicht mit t? Weil der Plural Lieder nicht mit t gesprochen wird, aber Hüte schon. Damit dasselbe Wort nicht in den verschiedenen Kasus unterschiedlich geschrieben wird, schreibt man Lied mit d. Das ist in der Rechtschreibung als morphologisches Prinzip bekannt.

Im Deutschen werden alle "weichen" Konsonanten am Wortende "hart" ausgesprochen. D wird zu t, g zu k, w [v] zu f, b zu p:
Bad [baːt] - Bäder [ˈbɛːdɐ]
Schub [ʃuːp] - Schübe [ˈʃyːbə]
Steg [ʃteːk] - Stege [ʃteːɡə]
kreativ [kreaˈtiːf] - kreative [kreaˈtiːvə] 
Das ist die sogenannte Auslautverhärtung. Einem muttersprachlichen Sprecher ist sie selten bewusst. Deswegen wendet er sie unbewusst auch an, wenn er Englisch redet. Im Englischen gibt es aber keine Auslautverhärtung:
bad [bæd] und nicht [bæt]
love [lʌv] und nicht [lʌf]
gag [ɡæɡ] und nicht [ɡæk]
Ein Engländer spricht mop und mob unterschiedlich aus:
mop [mɒp]
mob [mɒb]
Auf Deutsch wird wegen der Auslautverhärtung beides gleich ausgesprochen:
Mopp [mɔp]
Mob [mɔp]
Der Deutsche verrät sich also nicht nur durch das falsche double u oder th, sondern auch durch die Auslautverhärtung. Im verlinkten Video wird sie daher als dritter Trick genannt, um einen German accent zu erreichen (ab Minute 1:36):